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Mit freundlicher Gestattung des…

Pages: 3
Language: german
Created: Mon Feb 26 13:07:33 2007
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                                Mit freundlicher Gestattung des Bayerischen Rundfunks:
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Zeitspiegel, 21.2.2007
Beitrag: ,,Verteufelt - Deutsche in der Schweiz"
Bericht: Verena Nierle


Text:

Umfrage:

,,Es fällt auf, es sind sehr viele, überall ­ in der Straßenbahn, überall, wo man hingeht, in
jedem Restaurant wird hochdeutsch gesprochen."

,,Ich frage mich, warum bleiben sie nicht in Deutschland und arbeiten dort?"

,,Es ist einfach erschreckend, wie zunehmend die Invasion ist. - Sie sind vielleicht etwas
forscher als wir. - Sie leiden an Selbstüberschätzung. Sie meinen, sie sind die Besten,
die Schönsten, die Klügsten."

Seit Wochen geht das nun schon so. Bald täglich eine neue Schlagzeile: die Deutschen
in der Schweiz sind derzeit DAS Thema.
Oliver Ackermann, Marktforscher aus Nürnberg, lebt seit drei Jahren bei Luzern. So
richtig Anschluss hat er noch nicht gefunden. Immer wieder spürt er die Vorbehalte
gegen die Deutschen.

Oliver Ackermann, Marktforscher aus Nürnberg:
,,Wenn ich zum Beispiel in meinem Geschäft rumfrage, was ist denn Euer Problem mit
den Deutschen? Und dann ­ ja, sind zu laut, sind zu arrogant, die ganzen Klischees, die
immer wieder kommen. Und wenn man es dann aber wirklich vom Großen aufs Kleine
bricht und sagt: also, bin ich zu laut, bin ich zu arrogant? Da heißt es dann immer ­ nein,
du ja nicht."

Du nicht, aber alle anderen. Die pauschale Antipathie, die unterschwellige Aggression
sind Ackermann erstmals deutlich geworden bei der Fußball-WM.

Oliver Ackermann, Marktforscher aus Nürnberg:
,,Eben hier wollte ich das Eröffnungsspiel anschauen: Deutschland - Costa Rica, im
Grand Casino von Luzern ­ und natürlich alles mit Deutschland-Trikot. Als D dann das
1:0 geschossen hat, war es so, dass ich und 2 andere haben sich gefreut, und ich
dachte, dass kann ja eine Riesenparty werden. Und als dann Costa Rica dann den 1:1-
Ausgleich geschossen hat, dann hab ich erstmal gesehen, was für eine Stimmung
möglich war. Und ich dachte, die Schweiz ist Weltmeister geworden."
Woher kommt diese feindselige Stimmung? Immer mehr Deutsche zieht es in die
Schweiz. Es locken die hohe Lebensqualität, gute Verdienstmöglichkeiten, niedrige
Steuern. Allein im vergangenen Jahr sind rund 25 000 Deutsche eingewandert ­ so viele
wie die Stadt Zug Einwohner hat. Viele müssen dann schon nach kurzer Zeit feststellen:
die Schweiz ist mehr Ausland als gedacht, und die Deutschen sind hier ­ die Ausländer.

Besonders viele Deutsche arbeiten im Gesundheitswesen. An der Klinik Hirslanden in
Zürich ist bereits ein Viertel der Angestellten aus Deutschland. So wie Ewa Czembor.
Die gebürtige Oberschlesierin war 20 Jahre Krankenschwester in München, bevor sie in
die Schweiz ging. Hier betreut sie weniger Patienten, hat mehr Kompetenzen ­ und
verdient doppelt so viel. Für die Schweizer sind die gut ausgebildeten Deutschen eine
harte Konkurrenz.

Patient:
,,Das Thema ist vielleicht im Moment nicht so aktuell, aber es könnte sich verschärfen,
wenn die Konjunktur abflacht, und die Arbeitslosigkeit wieder zunehmen würde. Dann
haben die Leute natürlich Angst, dass man ihnen die Jobs wegnimmt ­ oder die
Wohnungen. Im Moment in der Stadt Zürich ist das ja auch ein Problem."

Auf Stock B ist die Pflegeleitung schon fest in deutscher Hand. Gesprochen wird
zumeist ­ hochdeutsch. Und auch der Direktor der Klinik ist ­ Deutscher. Offene
Ablehnung spüre er nicht, sagt er, aber Sorgen und Vorbehalte schon. Im Haus kursiert
der Begriff der ,,Germanisierung". Und immer wieder gibt es Konflikte ­ vor allem wegen
des Umgangstons.

Dr. Ole Wiesinger, Direktor Klinik Hirslanden Zürich:
,,Über die Art, Dinge direkt zu formulieren und auf den Punkt zu bringen. Das wird
gelegentlich von den Schweizern als Angriff interpretiert, ist aber von uns im Prinzip
nicht so gemeint, sondern das ist tatsächlich ein sprachbezogenes, vielleicht auch ein
kulturelles Problem. Ich glaube, wir versuchen schon, direkter auf den Punkt zu
kommen, und der Schweizer versucht das bisschen auf Umwegen zu erreichen."

Umfrage:

,,Sie blamieren sich nie mehr, als wenn sie Frankli sagen, das fällt mir immer wieder auf,
das mit dem Frankli, das ist so hartnäckig."

,,Die Deutschen sind zielorientiert, sie kämpfen nach vorne, das sieht man im Fußball
sehr gut, sage ich mal, sie stoßen vor, machen Druck, immer nach vorne."

,,Sie geben den Ton an, sie packen zu und schrecken nicht zurück."

Hilft da nur der ,,Erziehungskurs für Deutsche"? ­ heute bestreitet der
rechtskonservative Politiker Mörgeli diese Formulierung. Doch zweifellos hat auch die
Politik das Thema entdeckt. Es stehen Wahlen an, und Mörgeli hat Verständnis für die
Ängste seiner Landsleute.
Prof. Christoph Mörgeli, SVP Nationalrat:
,,Ich hab das mal ein bisschen überspitzt und pointiert gesagt: da trifft Größenwahn auf
Minderwertigkeitskomplex. Ich glaube, es ist übertrieben, aber es hat eben doch einen
wahren Kern."

Ende Januar dann im Schweizer Fernsehen: eine Doku zur besten Sendezeit.

Jeder vierte Schweizer gibt zu Protokoll, er möge die Deutschen nicht sonderlich.

Johannes Kornacher lebt seit 20 Jahren in der Schweiz, seine Tochter ist hier geboren.
Doch den letzten Schritt, um wirklich akzeptiert zu werden, will er Allgäuer nicht gehen.
Er will nicht Schweizer werden.

Johannes Kornacher, Journalist aus dem Allgäu:
,,Das wird nicht geschätzt. Weil das ist quasi unhöflich, weil als Deutscher sollte man
sich doch so gut wie möglich anpassen, und da gehört das dann halt noch dazu, dass
man die Nationalität wechselt."

Schweizer wird wohl auch Oliver Ackermann nie werden, im Gegenteil.

Oliver Ackermann, Marktforscher aus Nürnberg:
,,Es ist einfach so, dass man oft hin -und hergerissen ist. Manchmal fühlt man sich
wohler und man macht sich gar keine Gedanken in die Richtung. Und manchmal holt
einen das Thema doch wieder irgendwie ein und dann kommen eben die Gedanken auf:
was mache ich eigentlich in einem Land, wo mich als Deutscher keiner mag?"